Schon nach den ersten Takten bemerkt man direkt, wie diese Musik gefehlt hat. Dagobert, der vor gar nicht so langer Zeit einem Kasper Hauser gleich mit seinen Schnulzenliedern von den Bergen nach Berlin gewandert kam, öffnet das zweite Kapitel aus seinem Fundus jener unzähligen Stücken, die er fünf Jahre lang in einer einsamen Berghütte in den Schweizer Alpen geschrieben hat. Und bereits beim zweiten Album des Künstlers hat es eine merkliche Veränderung gegeben:
Stand auf dem selbstbetitelten Debut noch die Narration und Exzentrik des Schweizer Überlebenskünstlers im Vordergrund, ist »Afrika« ein viel musikalischeres Werk geworden.

Die Stücke sind organischer, die charmante, eigenwillige Stimme des bestgekleideten Schweizers 2013 (GQ Magazine) fügt sich in die elf Stücke ein, schwelgt in ihnen, bricht im nächsten Moment wieder aus ihnen hervor. »Afrika« erzählt mit großer Melancholie von den Höhen und Tiefen des Lebens und der Liebe, gewährt einen intimen Einblick in das Leben Dagoberts. Doch der sehnsüchtige Briefcharakter des Debuts, der immer noch zu finden ist, prallt hier auf eine neue Ebene! Eine Ebene der Fiktion: Afrika ist imaginärer Fluchtpunkt für ein Leben in der Freiheit, wird zum Leitmotiv der Sehnsucht. Dabei handelt es sich nicht um das bloße Fernweh des deutschen Schlagers der 1950er-Jahre, auch wenn dieser musikalisch anzitiert wird. Afrika wird vielmehr zum Symbol für all das, was nur in der Imagination stattfindet. Ist Afrika also vielleicht gar ein Traum? So entsteht eine Sehnsucht, die einen sofort in ihren Bann zieht: Hier sucht jemand einen Platz auf der Welt, der seinem romantischen Ideal entspricht, im Wissen, dass dieser Ort auf immer nur ein Gedankenspiel bleiben wird. Das ist traurig und schön zugleich – so handelt »Afrika« nicht nur von der Verzweiflung, sondern gleichzeitig von einer zarten Hoffnung und unstillbaren Lebenslust.

Dagoberts besonders am Chanson geschulter Zweitling ist dabei unter Mithilfe der spannendsten Musiker entstanden, die sich hierzulande gerade auf der Spielfläche tummeln: Produziert wurde »Afrika« von Markus Ganter, der sich innerhalb kürzester Zeit mit Aufnahmen vom Casper-Album bis hin zur Co-Produktion der neuen Tocotronic-Platte mit Moses Schneider an die Spitze des Who-Is-Who? der deutschen Musiklandschaft gearbeitet hat. Auch Konstantin Get Well Soon Gropper hat mit seiner Schwester für einige der Stücke Streicher und Gitarren eingespielt, was den ohnehin vorhandenen Hauch von Italowestern à la Ennio Morricone noch erweitert. Daneben tauchen weitere prominente Gäste wie Mille von Kreator auf, der die selbstbewusste Gitarre für das kapitulierende »Wir leben aneinander vorbei« gespielt hat und den Facettenreichtum der Platte gen Scorpions erweitert.

Doch dieser Ausflug ist nur eines von vielen Beispielen, die allesamt deutlich machen, welch lyrisch-musikalischem Feuerwerk man beim Hören beiwohnt: Passt »Jenny« noch in den Fernsehgarten und findet sich bei »Angeln gehen« der große Pomp der Bigbands der 50er Jahre, bewegen sich Stücke wie das verträumte »Moonlight Bay« in Richtung Chris Isaak. Als großer Musiker, als wahrer Connaisseur des Poparchivs bis in seine entlegensten Winkel, zeigt sich Dagobert dann spätestens im Filmscore-Nachtmusik-Hybriden »Am Natronsee«. Dass er dabei auch Gegensätze zusammenzubringen vermag zeigt sich über die ganze Platte verteilt, nicht zuletzt aber bei »Rede mit mir«: Hier spielen die Gespenster Polka und eine Gitarre durchschneidet eine Nacht auf dem Friedhof. »Sehnsucht« dann könnte sich glatt auf dem Soundtrack von Grease wiederfinden, das unendlich traurige Finale (bezeichnend auch der Titel: »Das traurige Ende eines schönen Tages«) ruft in seinem Tiefgang gar das düstere Werk von Nico auf.

Seit Frühjahr 2015 ist »Afrika« auch vielerorts live zu erleben, das erste Mal in der Geschichte Dagoberts wird er auf Tour von einer Backing-Band unterstützt. So zeigt sich »Afrika« als die musikalisch gewachsene Fortsetzung der intimen Erzählung des Dagobert Jäger. Und wenn dieser im titelgebenden Stück singt „Ich verschwinde aus der Zivilisation“, dann möchte man ihm entgegnen: Ja, tu das, erlebe deine Geschichten. Aber bitte komm wieder, um uns davon zu berichten!

Hendrik Otremba

Seit Frühjahr 2015 ist »Afrika« auch vielerorts live zu erleben, das erste Mal in der Geschichte Dagoberts wird er auf Tour von einer Backing-Band unterstützt. So zeigt sich »Afrika« als die musikalisch gewachsene Fortsetzung der intimen Erzählung des Dagobert Jäger. Und wenn dieser im titelgebenden Stück singt „Ich verschwinde aus der Zivilisation“, dann möchte man ihm entgegnen: Ja, tu das, erlebe deine Geschichten. Aber bitte komm wieder, um uns davon zu berichten!

• 2013 - Dagobert | Buback/Universal
• 2015 - Afrika | Buback

 

Dagobert | lead vocal

Fridolin Gross | drums

Max Zahl | guitar

Philipp Bellinger | keyboard

Johannes Husten | bass

 

Eric Draheim | light

Dagobert wuchs nach eigenen Angaben im Kanton Aargau auf. Nach dem Abitur gewann er mit fünf selbstgeschriebenen Songs ein mit 18.000 CHF dotiertes Kulturstipendium und ging für sechs Monate nach Berlin.

Anschließend zog er für fünf Jahre in das Haus seines Onkels im 30-Seelen-Dorf Panix in den Graubündener Bergen. Dort komponierte und arrangierte er in großer Abgeschiedenheit seine Lieder mit einem alten Laptop und der Software Cubase. Seither lebt er wieder in Berlin.
2014 erhielt er vom Aargauer Kuratorium einen Werkbeitrag in Höhe von 20.000 CHF.

Im Jahr 2012 spielte Dagobert eine Nebenrolle in Klaus Lemkes Film Berlin für Helden.
2013 übernahm er eine Rolle im Lemke-Film Kein grosses Ding.

Dagobert singt deutschsprachige Liebeslieder mit breit angelegten, an die 1980er-Jahre angelehnten Synthesizer-Arrangements, die von Kritikern als „Elektro-Schlager“ bezeichnet werden. Im Interview mit Süddeutsche.de beschreibt der Künstler selbst seine Musik als „Schlager mit Anspruch“.

Als Vorbilder nennt er die Scorpions, David Hasselhoff und Olaf Malolepski von den Flippers, aber auch Leonard Cohen und Hank Williams. Das Material für das Debütalbum Dagobert entstand in großer Abgeschiedenheit in den Schweizer Alpen. Markus Ganter produzierte es in Mannheim und ergänzte es mit Schlagzeugaufnahmen von Konrad Henkelüdeke. Es erschien im April 2013 bei Buback/Universal.

Sein zweites Album Afrika erschien am 20. März 2015 ebenfalls bei Buback. Als Gastmusiker waren unter anderem Mille Petrozza (Kreator) und Konstantin Gropper (Get Well Soon) an den Aufnahmen beteiligt.

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Fotos:
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